Erstes Shooting und die nötige Vorbereitung

Man hat eine Person gefunden, die sich bereit erklärt hat für einen vor die Kamera zu treten. Der Termin steht fest und man kann es vor lauter Aufregung kaum erwarten. “Die Bilder werden super und ich brauch mir da keine Sorgen zu machen.” Das sind die Gedanken, die mir vor meinem ersten Shooting durch den Kopf geschossen sind und auch heute noch vor vielen Shootings präsent sind. Unterschied ist aber damals hab ich mich auf pures Glück verlassen. Wieso sollten die Bilder super werden? Nur weil ich eine Kamera verwendet habe, die besser war als die in Smartphones, war das maximal eine Garantie dafür das scharfe schlechte Bilder entstehen würden. Und das im bestenfalls. Ich habe damals mit dem Model über Outfits gesprochen und ein fantastisches Bild im Kopf gehabt: 
“Eine Frau im weißen Kleid, am Ufer streicht sie leicht über die Wasserobefläche und wirft mir einen flüchtigen Blick zu.”
Online und in Dramen gibt es dieses Bild bestimmt zu genüge. Aber Hab ich mir Gedanken gemacht wie ich ein solches Motiv umsetzen könnte? Nein,… Hahaha. Geschuldet meiner Unwissenheit und Naivität. Am Ende des Tages habe ich etwas komplett anderes mit der Kamera festgehalten, als ich es vorhatte. Auch wenn einige der Bilder mir sehr gefallen haben, schwang eine leichte Bitterkeit mit, weil ich meine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Was hätte da geholfen? Richtig, einige einfache Vorbereitungen, die ich heute hier erläutern möchte. Das sind keine Geheimtricks oder sonst was, einfach nur Erfahrungen.

1. Die Bedienung der Kamera
Setz dich mit den Grundlegenden Funktionen deiner Kamera auseinander. Jedes Shooting hat seinen ganz eigenen Flow indem man sich treiben lassen kann. Das Model wechselt mit einer Leichtigkeit von Pose zu Pose, die Umgebung wird mit einbezogen und die eigenen Ideen entwickeln sich mit jedem weiteren Foto das man schießt. Man ist zufrieden und möchte garnicht mehr aufhören. Stellt euch mal vor ihr seid richtig im Flow und plötzlich heißt es “Warte mal, ich muss eben etwas nachgucken.” Minuten vergehen und man hat immernoch nicht die richtige Einstellung gefunden, der Moment ist vorbei. Besonders bei Shootings im Freien oder generell bei Veranstaltungen kann man die äußeren Umstände beeinflussen bzw. Momente wiederholen. Es gibt grundsätzlich nicht viele Einstellungen die man sehr häufig anpassen muss. Für mich sind das ISO, Verschlusszeit und Blendenöffnung (der sogenannte f-Stop). An dieser Stelle werde ich die 3 Funktionen nicht erklären, vielleicht folgt später mal ein Artikel dazu, aber eigentlich wird es von anderen sehr gut erklärt. Insgesamt kann man das Fotografieren wie mit dem Autofahren vergleichen. Wenn man keine Probleme mehr mit dem Schalten und Anfahren hat, dann kann man sich viel besser auf den Straßenverkehr konzentrieren. Die Shootings, die mir am meisten im Gedächtnis geblieben sind, waren entweder katastrophal oder vergingen wie mit einem Wimpernschlag. Ist man im Flow will man so lange wie möglich drin bleiben und das Shooting einfach nur genießen, als Fotograf aber auch als Model.

2. Shootinglocation begutachten 
Man stellt sich die Frage an welchem Ort ein Shooting stattfinden könnte, hört sich bei Freunden um oder sucht online. Orte wie Freunde einem diesen als den perfekten beschreiben, können wirklich super sein, aber vorrangig aus ihrer eigenen Sicht. Passt der Ort zu den Bildern die man machen will? Wenn es dort so toll ist, ist es vielleicht zu toll und mit Menschen überfüllt? Zu welcher Jahreszeit ist es dort so toll? Ich könnte jetzt einen eigenen Beitrag mit Fragen füllen, aber ihr wisst worauf ich hinaus will. Die Location zu scouten bringt die Lösung zu all diesen Fragen. Besonders fantastische Bilder die man online zu einem Ort findet, sind öfters mit Vorsicht zu genießen. Fotografie ist eine Kunst, bei der es nicht nur um die Wirklichkeit geht, sondern auch wie man diese wahrnimmt und in Fotografien festhält. Bildbearbeitung nach dem Shooting ist da also nicht die Seltenheit und kann irreführend sein zu der Aufnahmesituation.

3. Was brauche ich für mein Motiv oder Thema?
Zurück zu meinem Beispiel vom Anfang mit der Frau, die über die Wasserobefläche streicht. Zwei Dinge vorweg, mein Model hatte kein weißes Kleid und die Wasserstelle war nur mit einer gewissen Gefahr zu erreichen. Selbst wenn sie runter zum Wasser gestiegen wäre, hatte ich ein zu kurzes Objektiv um von der gegenüberligenden Seite zu fotografieren. Hätte ich alles vor meinem Shooting in Erfahrung bringen sollen. Hier ist es ganz gut sich Beispielfragen anzuschauen, vielleicht ergeben sich so weitere wichtige Fragen die euch einfallen könnten (Fragen nicht nach Priorität geordnet). 

  • Was für Outfits stehen zur Verfügung?
  • Will ich Aufnahmen mit ganzem Körper oder nur Ausschnitte?
  • Brauche ich Wind?
  • Brauche ich ein Blitzlicht?
  • Brauche ich Dekoration?
  • Brauche ich eine Erlaubnis um die Location verwenden zu dürfen?
  • Brauche ich jemanden der mir assistiert?

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